Allgemein

Kundgebung am 22.1. Internationaler Tag für Solidarität mit trans* Personen im Knast // Rally on January 22nd for the Trans* prisoner’s day of action and solidarity

(English below)

Am 22. Januar ist der internationale Tag für Solidarität mit trans* Personen im Knast – der „trans* prisoner day of action and solidarity“. Zeigt eure Solidarität kommt um 17.00 Uhr zur Kundgebung vor der JVA Pankow (Borkum- Ecke Arkonastraße).

Seid laut mit uns um drinnen gehört zu werden!

Wir wollen auf die Situation von trans* Personen im Knast aufmerksam machen. Lassen wir uns nicht auf die Logik ein, dass es Menschen gibt die in den Knast gehören und auf die angebliche Selbstverständlichkeit, dass Knäste für Sicherheit sorgen! Kein Knast steht für immer.

ENGLISH:

The 22nd of January is the international day of solidarity with trans* people in prison – the „trans* prisoner day of action and solidarity“. Show your solidarity and come to the rally in front of the prison in Pankow (Borkum- corner Arkonastraße) at 5pm.

Let’s be loud so people inside the prison can hear us!

We want to draw attention to the situation of trans* people in prison.
Nobody belongs in prison – let’s fight the misconception that prisons provide security! No prison lasts forever.

Uns erreichte dieser Bericht mit der Bitte, ihn zu teilen:

„Ich bin ftm trans und war vor kurzem für vier Tage in Ordnungshaft (weil ich mich bei einem Gerichtsprozess geweigert habe für den Richter aufzustehen und mir Schuhe anzuziehen).

Ich nehme bereits seit Oktober Testosteron und haben meinen Namen und Personenstand schon geändert. OPs habe ich noch keine gemacht.


Hier der Knastbericht:


Nachdem ich für einige Zeit in den Zellen des Landgericht Aachens war haben die Wärter*innen die Tür geöffnet und mir gesagt, dass ich jetzt in die JVA Köln verlegt werde. Ich frage die Beamt*innen warum nach Köln und nicht einfach nach Aachen? Die Antworten waren sowas wie: „Weil Sie eine Frau sind!“ Info hierzu: In Aachen gibt es nur einen Männer-Vollzug, in Köln beides.


Ich weise sie mehrfach daraufhin das ich keine Frau bin und das sie gerne auf meinen Ausweis nachschauen können (den haben die mir mit dem Geldbeutel abgenommen). Und dann versuchte ein Beamter zu behaupten, dass mein Verteidiger das so angeordnet hat. Ich teile ihm mit das das ganz bestimmt nicht der Fall ist und finde es krass wie einfach er ohne mit der Wimper zu zucken mir direkt ins Gesicht lügt.


Nach einer circa 50 minütigen Fahrt kommen wir in Köln an, dort werde ich in eine Wartezelle gebracht. Nach einiger Zeit gehts dann weiter. Wir laufen durch verschiedene Türen und irgendwann stehen wir vor einem Korridor, der mit „Frauenabteilung“ betitelt ist. Ich bemerke erneut, dass ich keine Frau bin und weigere mich den Korridor zu betreten. Sollen die mich doch da rein schleifen, aber wenn die mich transfeindlich behandeln helfe ich ihnen nicht auch noch dabei. Nach eigen Metern des schleifens haben sie mich dann auf einen Rollwagen, der da rum stand, gesetzt und geschoben.


Dort tauchte dann auch ein Wärter auf, der so aussah, als wäre er in der Knasthierarchie höher als der Rest. Er meinte zu mir: „Wo soll ich sie denn sonst hinstecken?“ Nachdem ich ihm mitteilte das ich als Mann natürlich zu den Männern will, meinte er das dies „nicht mit funktionierenden Geschlechtsorganen“ möglich sei. Woher er weiß das ich funktionierende Geschlechtsorgane habe ist unklar. Ich sage ihm das ich lieber in Isolationshaft komme als zu den Frauen. Damit hatte er anscheinend kein Problem und ich wurde in so eine Spezialzelle getan. Dort wurden mir dann noch alle meine Klamotten und meine Brille weggenommen. Da ich mich weigerte mich auszuziehen hat das der Beamte übernommen mit dem ich gesprochen hatte. Ich bekam dann Anstaltskleidung und zwei Decken. In der Zelle gabs nichts außer einem Loch im Boden als Klo und eine Matratze. Und eine Kamera, die mich die ganze Zeit beobachtet. Das einzig gute an der Zelle war das sie echt groß war (ca dreimal so groß wie eine normale Zelle). Das Licht war die ganze Nacht an und hat unglaublich laut gesurrt. Das war echt super nervig. Als ich Nachts Durst bekomme drücke ich auf den Rufknopf den es da gibt. Es wird nicht darauf reagiert. Also musste ich wohl oder übel aus dem Klo trinken.


Am nächsten Morgen kamen dann ein Haufen Beamter, eine Ärztin und eine Psychologin in die Zelle und fragten mich wieso ich hier sei. Ich habe es ihnen erklärt und sie meinten, dass sie meinen Fall nachher in der Besprechung beraten.


Einige Zeit später kamen sie dann wieder und meinten, dass ich jetzt in den Männervollzug verlegt werde. Ich habe erst meinen Ohren nicht geglaubt und habe mich wirklich gefreut das mein Widerstand erfolgreich war!
Sie haben mir dann einiges an Zeug gegeben (Bettlaken und so was) und wir sind zu Haus 3 gegangen. Dort bekam ich dann eine Doppelzelle, die ich aber für mich alleine hatte (und das wird auch so bleiben meinten die Wärter*innen). Das finde ich ganz gut, da hier wirklich nicht viel Platz war und ich mich freier in der Zelle bewegen kann wenn ich alleine bin. Dann gabs Mittagessen (das erste was ich seit der Verhaftung am Vortag bekommen habe). Und dann wurde ich zur Freistunde geholt. Ich durfte mich auf einem Innenhof frei bewegen und ich war sehr erfreut, dass es da Bäume gab. Aber ich hatte auch Einzelfreistunde. Mit den anderen Gefangenen konnte ich aber über die Fenster reden. Ich wurde oft von den anderen gefragt, wieso ich alleine Hofgang habe, wollte mich dann aber ungern vor denen als trans outen. Ein Mitgefangener hat mich zum Beispiel dann gefragt ob ich schwul bin und Angst vor den anderen haben und darum alleine raus muss.


Als ich wieder rein muss werde ich noch zum Anstaltsarzt gebracht, der mich gefragt hat ob ich ein „Gender“ bin. Ich find das irgentwie niedlich wie unbeholfen er war. Da ich meine Hormonspritze aber nicht im Zeitraum der Inhaftierung benötigte (ich brauche sie nur alle 17 Tage) war das Gespräch auch schnell beendet.


Es waren nur vier Tage, also war das alles kein Problem, aber ich frage mich ob ich wenn ich länger da gewesen wäre an Sportangeboten usw. hätte teilnehmen dürfen, weil das Einzeln wohl nicht geht..“


Setzt euch für Malak al-Kashef ein!

Am 6. März nahmen Angehörige des Geheimdienstes die 19-jährige Menschenrechtsverteidigerin Malak al-Kashef auf dem Wohnsitz ihrer Familie in Gizeh fest. Malak al-Kashef wird beschuldigt, eine terroristische Organisation zu unterstützen sowie die Sozialen Medien missbraucht zu haben, „um eine strafbare Handlung zu begehen“. Momentan wird die Transfrau in einem Männergefängnis willkürlich festgehalten.

Appell und mehr infos bei Amnesty International

TRANS*RATGEBER braucht EUREN SUPPORT

In Zeiten in denen Nationalismus, Neoliberalismus, autoritäre Regimes und digitale Überwachung (wieder) auf dem Vormarsch sind, in denen Grenzen geschlossen und militarisiert werden, in Zeiten in denen Widerstand verstärkt kriminalisiert und eingeknastet wird- nicht nur in den USA, sondern auch in Knästen und Abschiebeknästen in Deutschland- und in Zeiten in denen eine kleine handvoll priviligierter Queers und trans*Menschen auf Kosten anderer unterstützt und mehrheitsgesellschaftlich miteinbezogen werden- lasst uns nicht die vergessen, die zurückgelassen werden!

Zurückgelassen werden zum Beispiel eingeknastete trans* und nicht-binäre Menschen. Obwohl sie wegen ihrer nicht-Übereinstimmung mit den geltenden Geschlechternormen nocheinmal extra Kämpfe kämpfen müssen und mehr Hindernisse überwinden müssen, gibt es wenig bis keine Informationen zu der Situation von trans* und nicht-binären Menschen im Knast in Deutschland. Zum Beispiel werden trans*Frauen oft in den Männerknast gesteckt und sind noch stärker Gewalt augesetzt- auch sexualisierter Gewalt. Oft werden trans*Menschen in gesundheitsschädigender Einzelisolation untergebracht. Ihnen wird es oft verboten eine Transition im Knast zu beginnen, mit der Argumentation, dass dies eine Gefahr für sie selber oder für die Sicherheit und Ordnung im Knast darstellt.

Mit unserer Broschüre wollen wir diesem Informationsmangel entgegenarbeiten, Wissen verbreiten und auch ein grösseres Netzwerk aufbauen, um trans* und nicht-binäre Menschen im Knast in Deutschland zu unterstützen. Das erste Ziel dieser Broschüre ist es, sich zu mit trans* und nicht-binären Menschen welche von Repression (staatlicher Verfolgung und Kriminalisierung) betroffen sind und/oder im Knast sind, zu vernetzen, Informationen zu verbreiten und auszutauschen, bzw. einen Austausch untereinander zu ermöglichen.

Wir hoffen auch mehr Wissen sammeln zu können, über die konkrete Situation von trans*Menschen und nicht-binären Menschen im Knast, auch über die Situation derjenigen, welche zusätzlich von zum Beispiel Rassismus, Sexworker Stigmatisierung und Ableismus betroffen sind. Wir wollen uns mit Menschen vernetzen die trans*Menschen im Knast unterstützen wollen und für die Abschaffung von Knästen kämpfen.

Die Informationen, die wir bereits haben , sind nur ein kleiner Teil und sicher nicht vollständig und/oder anwendbar auf Alle. Diese Broschüre ist eine fortlaufende Arbeit, von ehrenamtlichen Menschen geschrieben, und es ist nur der Anfang eines Projekts. Aber wir brauchen viel Geld um diese Informationen allen Interessierten zugänglich machen zu können. Deshalb brauchen wir eure Unterstützung!

Bitte spendet um uns zu unterstützen bei
- dem Drucken und kostenlosen Verteilen an Gefangene
- um eine Internet Plattform und herunterladbare Online-Version zu erstellen
- um die Broschüre in verschiedene Sprachen übersetzen zu lassen. Übersetzungen sind teuer, da wir offziell anerkannte Übersetzer_innen nehmen müssen, damit die Broschüre in die Knäste reingelassen wird.

Weil wir uns gegen staatliche Unterstützung entschieden haben , bitten wir euch soviel zu spenden wie ihr könnt.
Lasst uns nicht diejenigen vergessen welche im Knast und ausserhalb Diskussion um trans*Rechte stehen!
Egal ob es Jugendknast, Abschiebeknast oder eine andere Form von Knast ist- lasst uns Knäste, Grenzen und das binäre Geschlechter System abschaffen!
Errichten wir gemeinsam eine solidarische, offenen Gesellschaft welche sich um ihre Sozialen Probleme kümmert, anstatt Menschen wegzusperren,für community accountability, social justice, Bewegungsfreiheit für alle und freie gender-Identifkation!

Ihr könnt das Geld unter dem Betreff : „EA/Kiralina- trans*Ratgeber“ auf folgendes Konto überweisen:
Netzwerk Selbsthilfe e.V.
IBAN: DE12 1009 0000 7403 8870 18 BIC: BEVODEBB

Da der Ratgeber für Menschen im Knast umsonst sein soll, bitten wir um Spenden nach Selbsteinschätzung für die Broschüre/n die wir euch schicken, wenn ihr selber nicht im Knast seid (als Richtwert circa ab 5€ pro Broschüre, nach oben soviel ihr könnt natürlich..)

VERNETZUNG und AUSTAUSCH
Wir sind auf der Suche nach trans*Menschen die ihre Erfahrungen mit Repression und/oder Knast mit uns teilen möchten. Da es sehr schwer ist an Informationen zu kommen, fnden wir es wichtig eine Art „Infopool“ zu schaffen und sogenannte „Präzedenzfälle“ zu sammeln (soweit anonym wie es geht, natürlich in Absprache mit euch).

Wir bieten über die Broschüre auch an ,sich an uns zu wenden wenn ihr im Knast Unterstützung benötigt oder Austausch möchtet. Bitte nutzt dafür unsere Postadresse:
Kiralina c/o Feuerbohne, Weichselstrasse 52, 12045 Berlin
oder die mail: transratgeber@gmx.de

Wenn ihr Interesse habt , dass wir die Broschüre bei euch vorstellen oder ihr einen allgemeinen Austausch zu Anti-Repressions- und Anti-Knastarbeit sucht, kontaktiert uns!

VERNETZUNG und AUSTAUSCH und ÜBERSETZUNGEN

Wir sind auf der Suche nach trans*Menschen die ihre Erfahrungen mit Repression und/oder Knast mit uns teilen möchten. Das kann zum Beispiel auch ein Erfahrungsbericht von einer Demo sein, oder eine andere trans*phobe Diskriminierung durch Beamt_innen und muss nicht nur mit Knast zu tun haben. Da es sehr schwer ist an Informationen zu kommen, finden wir es wichtig eine Art „Infopool“ zu schaffen und sogenannte „Präzedenzfälle“ zu sammeln (soweit anonym wie es geht, natürlich in Absprache mit euch).

Wir bieten über die Broschüre auch an, sich an uns zu wenden wenn ihr im Knast Unterstützung benötigt oder Austausch möchtet. Bitte nutzt dafür unsere Postadresse:

Kiralina c/o Feuerbohne
Weichselstrasse 52
12045 Berlin

oder die mail: transratgeber@gmx.de

Sehr dringend sind wir auf der Suche nach Übersetzer_innen (-Gruppen) die die Broschüre zu einem Solipreis oder kostenlos übersetzen können. Uns fehlen folgende Sprachen: Französisch, Farsi, Bulgarisch, Rumänisch, Polnisch, Russisch, Arabisch,Türkisch,Kurdisch/Kurmanji,Castellano(Spanisch)

Als Ausgangssprache haben wir die deutsche Version aber bald auch eine englische Version.

Wenn ihr Interesse habt , dass wir die Broschüre bei euch vorstellen oder ihr einen allgemeinen Austausch zu Anti-Repressions- und Anti-Knastarbeit sucht, kontaktiert uns!